Ingenieure sind die gefragtesten Leute am Arbeitsmarkt - das belegen nicht nur die Zahlen verschiedener Studien. Es zahlt sich auch bei Gehaltsverhandlungen aus. [25.07.2008]
Ingenieure sind Mangelware - darum haben sie es gut auf dem Arbeitsmarkt. Weil Angebot und Nachfrage auch das Gehalt regeln, sind die gefragten Fachkräfte derzeit die Spitzenverdiener unter den Hochschulabsolventen. Besonders gut geht es Elektroingenieuren - kaum ein Profil ist so gefragt wie das ihre. Das liegt daran, dass Elektrotechniker und Informationstechniker in fast allen Branchen des verarbeitenden Gewerbes gebraucht werden. Und: Von der klassischen Elektroindustrie über die Informationstechnologie und Telekommunikation bis hin zur Automobilindustrie, der Medizintechnik und in die Unternehmensberatungen hinein - es gibt kaum noch eine Branche, in der sich keine Elektrotechniker finden.
Jung, frisch, flexibel, kompetent - gefragt
Für die guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt sorgt aber nicht nur die gute Qualifikation der Absolventen - sondern auch die Tatsache, dass es von ihrer Sorte nicht genug gibt. Noch immer verlassen weniger Absolventen die Hochschulen als Ingenieure gesucht werden.
Elektrotechniker etwa sind gefragt, wo etwas erfunden und umgesetzt wird - die Elektro-, Energie-, Automations- und Medizintechnik braucht ständig gute, junge Leute, die frisches Wissen aus den Hochschulen mitbringen, die flexibel und motiviert sind. Gefragt sind, so betonen die Experten immer wieder, Prozessorientierung und die Verknüpfung fundierter Fachkenntnisse mit nicht technischen Kompetenzen wie Methoden- und Sprachkenntnissen.
Durchschnittseinkommen über 50.000 Euro
Interkulturelle Erfahrung, die Bereitschaft, die Arbeit im Ausland zu verrichten und im Unternehmen über den Tellerrand zu schauen - all das sind Voraussetzungen für einen guten Job. Und es zahlt sich in barer Münze aus: So hat etwa Statistik Austria für unselbstständig arbeitende Diplomingenieure ein mittleres Einkommen von 50.030 Euro im Jahr 2005 ausgemacht. Ein Viertel der Akademiker verdient mehr als 60.600 Euro pro Jahr.
Auch die Zahlen der Monster-Gehaltsanalyse belegen gute Verdienstmöglichkeiten für Technik-Spezialisten. So steigen Trainees in Unternehmen mit durchschnittlich rund 33.000 Euro Jahresgehalt ein. Ohne Leitungsfunktion verdienen Angestellte rund 38.000 Euro, Gruppen- oder Projektleiter finden 6000 Euro mehr in ihrer Jahresabrechnung. Abteilungs- oder Referatsleiter bekommen rund 55.000, Hauptabteilungs- und Bereichleiter im Schnitt rund 65.000 Euro.
Welche Faktoren das Gehalt beeinflussen
Was nach einem nicht gerade sensationellen Einstieg klingt, wird innerhalb weniger Jahre wesentlich besser. So stehen bereits nach drei Jahren im Beruf 37.000 Euro auf dem Gehaltszettel bei Positionen ohne Leitungsfunktion - bei Stellen mit Personalverantwortung sind es 41.000 Euro. Nach zehn Jahren liegt das Einkommen bei etwa 41.500 bzw. 46.000 Euro - wenn es bis dahin noch nicht in die Führungsetagen gegangen ist, in denen ohnehin andere Gesetze gelten.
Zahlreiche Faktoren haben Einfluss auf die Höhe des Gehalts - Abschlussnote, Größe des Unternehmens, das Bundesland und die Branche. Wer etwa einen herausragenden Abschluss hat, passende Spezialkenntnisse und in ein renommiertes Unternehmen in einer der Boomorte kommt, kann mit einem weitaus besseren Einstiegsgehalt rechnen als ein Kommilitone, bei dem alles bestenfalls Durchschnitt war.
Führungskräfte in Österreich haben es besser
Doch nicht nur bei den Berufseinsteigern kommt es auf die verschiedensten Faktoren an. Nach Erhebungen der Kienbaum Consultants spiegelt sich der Mangel an gut ausgebildeten Ingenieuren auch in Österreich im Gehaltsniveau wider: Mit 97.000 Euro werden Führungskräfte sogar geringfügig besser bezahlt als in Deutschland. Bei den Fachkräften ist das Niveau in Deutschland und Österreich mit rund 59.000 Euro gleich, in der Schweiz geht es ihnen mit rund 66.000 Euro noch besser.
Auch die variable Vergütung ist ein beliebtes Zubrot in österreichischen Unternehmen: 87 Prozent der Ingenieure auf der Führungsebene erhalten solche zusätzlichen Gehaltskomponenten - mehr als in den deutschsprachigen Nachbarländern. Fachkräfte kommen seltener in den Genuss variabler Vergütungsleistungen: hier liegt der Anteil bei 55 Prozent der Österreicher und einem Wert von rund 10.000 Euro.
Variable Vergütung wird populärer
Diese Art der Vergütung ist ohnehin auf dem Vormarsch - das feste Gehalt jeden Monat gehört für viele Arbeitnehmer der Vergangenheit an. Zielvereinbarungen und deren Einhaltung bestimmen inzwischen für zahlreiche Angestellte in vielen Branchen über den Füllstand der Lohntüte. Die Zielvereinbarungen haben sich in den vergangenen Jahren rasant verbreitet - nicht nur unter Führungskräften oder in einzelnen Branchen. "Ob Energie, Sparkassen, Metall - das ist branchenübergreifend", sagt Christian Näser, Mitglied der Geschäftsführung bei den Unternehmensberatern Kienbaum.
Der Vertrieb habe klassischerweise solche Vereinbarungen - aber auch in zahlreichen anderen Jobs sind variable Einkommensanteile immer stärker auf dem Vormarsch. "Das ist eine Motivation für die Mitarbeiter – und eventuell eine Entlastung für die Personalkosten", sagt er. "Wenn’s gut läuft, kann die Firma sich das leisten."
(Verena Wolff / Bild: Stockbyte)