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Suppenkoma: Müde nach dem Mittagessen

Suppenkoma: Müde nach dem Mittagessen

Nach dem Kantinengang stellt sich in Büros das Suppenkoma ein - die bleierne Müdigkeit nach dem Mittagessen. Mit der richtigen Ernährung und regelmäßigen Pausen lässt sich dem gegensteuern.



"Wir haben zwei Leistungshochs: eines am Vormittag und eines am späteren Nachmittag", sagt der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley. Das Suppenkoma, jenes Tief in der Mittagszeit, entspreche der so genannten biologischen Geisterstunde, in der man zwölf Stunden später in der Nacht im Tiefschlaf liegt. "Effektiv ist, dann nichts zu tun", sagt Zulley. So sei etwa erwiesen, dass an Fließbändern um die Mittagszeit der meiste Ausschuss produziert werde.

Ein amerikanisches Forscherteam hat ganz in diesem Sinne nachgewiesen, dass besser lernt, wer mittags schläft. Die Wissenschaftler folgerten aus ihren Versuchsreihen, dass Schaf wichtig ist, um durch Übung antrainierte Fähigkeiten im Gehirn zu verankern. "Das passiert sonst nur im nächtlichen Tief- und Traumschlaf", sagt Zulley.

Siesta: nicht nur in südlichen Ländern von Vorteil

Die Siesta, wie sie in anderen Ländern gang und gäbe ist, sollte sich deshalb auch in Deutschland durchsetzen, meint Zulley. "Viele von uns machen mittags ein Nickerchen - aber ganz verschämt und heimlich." Zu verstecken gebe es da aber nichts. Ganz im Gegenteil. Optimal sei der Mittagschlaf, wenn er zwischen zehn und dreißig Minuten dauert. "Am besten trinkt man davor eine Tasse Kaffee, denn das Koffein braucht etwa eine halbe Stunde, bis es seine volle Wirkung entfaltet."

Einen eigenen Schlafraum braucht es nach Zulleys Worten nicht für das Nickerchen. "Besser, man macht es sich nicht so gemütlich." Sonst falle das Aufstehen hinterher viel zu schwer. Ein nach hinten geneigter Stuhl, eine Ablage für den Kopf - das reiche schon für die Büroerholung. Länger als eine halbe Stunde sei für den mittäglichen Schlaf allerdings nicht angeraten. "Wer länger schläft, bringt seinen Kreislauf zu sehr in den Keller." Wer beispielsweise einen Teil seiner Mittagspause so verbringe, sei optimal für den Rest des Arbeitstages gerüstet. Doch in den seltensten Fällen haben Arbeitnehmer Verständnis dafür, dass ihre Angestellten auf den Büromöbeln pofen - Mittagspause hin oder her.

Regelmäßig Pausen einlegen

Auch wenn der Schlaf wichtig und wünschenswert wäre - auch mit geregelten Pausen ist schon viel gewonnen. Aber auch diese gönnen sich moderne Bürohengste immer seltener und alles andere als regelmäßig. Verschiedenen Studien zufolge ist die Mittagspause in deutschen Büros eine aussterbende Einrichtung - dabei halten sie sowohl Psychologen als auch Ernährungsberater für immens wichtig. "Die Mittagspause ist eine sinnvolle und notwendige Unterbrechung der täglichen Arbeitsroutine", sagt Margret Morlo, Ernährungsberaterin beim Verband für Ernährung und Diätik in Aachen. Nicht nur zum Ausruhen sei sie wichtig, auch für eine gesunde und geregelte Nahrungsaufnahme in aller Ruhe.

Allerdings sei es wichtig, nicht zu große und kalorienreiche Mahlzeiten zu essen - denn die verstärken das Leistungstief in der Mittagszeit nur. Der Verzicht auf eine Mittagspause hingegen ist nach Ansicht der Ernährungsberaterin kontraproduktiv. "Es kommt dann zu Heißhungerattacken, bei denen mehr gegessen wird, als der Körper braucht", sagt Morlo. Dadurch setzen sich auf längere Sicht mehr Pfunde auf den Hüften fest, als jedem Schreibtischtäter lieb ist.

Kein Zucker, kein Fett, kein Alkohol

Die Fachleute raten zu Gesundem in Frühstücks- und Mittagspause. So sollten etwa zucker- oder alkohollastige Getränke vom Arbeits-Speiseplan verschwinden. Fast Food sollte durch einen Salat aufgewertet werden, auf fettige Saucen sollte man im Allgemeinen verzichten - egal, ob in der Kantine, dem Restaurant um die Ecke oder am Fast-Food-Schalter. Frisches Obst und Joghurt eignen sich, genauso wie etwa Müsliriegel, gut als Zwischenmahlzeiten.

Im Winter sieht der Speiseplan meist etwas anders aus als in den wärmeren Monaten: "Durch das geringere Angebot frischer Obst- und Gemüsesorten ist es etwas schwieriger, dem Körper alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe zukommen zu lassen", sagt Morlo. Gesunde Ernährung sei aber im Winter problemlos möglich - ganz ohne Nahrungsergänzungsmittel. Zitrusfrüchte und Kohlgemüse sollten dann auch einen größeren Platz auf dem Speiseplan bekommen - denn sie sind reich an wichtigen Inhaltsstoffen.

Den Kreislauf auf Trab bringen

Zudem schade es nicht, sich zwischendurch Zeit für ein paar Minuten an der frischen Luft zu nehmen. "So kommt der Kreislauf ein wenig in Schwung", sagt Morlo. Auch im Winter sollte sich niemand vor dem Gang ums Bürogebäude scheuen. "Der Körper braucht das, besonders im Winter", sagt Schlafforscher Zulley. Auch, weil der Organismus dann eine Portion Sonnenlicht tanken kann.

Denn die reduzierte Sonneneinstrahlung in den Herbst- und Wintermonaten beeinflusst den Wachrhythmus des Körpers: Licht wirkt sich unter anderem auf die Bildung des Hormons Melatonin aus, das in der dunklen Jahreszeit vermehrt ausgeschüttet wird und schlapp und schläfrig macht.

Ohne Pausen leidet die Arbeit

Fazit: Gesunde, ausgewogene Ernährung am Arbeitsplatz, ein kurzer Mittagschlaf, ein paar Minuten an der frischen Luft, um den Kreislauf wieder auf Vordermann zu bringen - so kommt man auch im Winter gut durch den Arbeitstag. "Wir brauchen diese Pausen, sonst leidet die Arbeit", sagt Zulley. Der Mensch sei ein Rhythmuswesen, für den die Stechuhrmentalität äußerst ungünstig sei. "Gute Arbeit hängt nicht von der Zeit ab, die man am Schreibtisch verbringt, sondern von der Qualität."

(Verena Wolff / Bild: Peter Atkins, Fotolia.com)

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